Meinung zur Diskussion über das Reiten mit Schlaufzügeln

Schlaufzügel, Blog, Hausarbeit

Auszug aus meiner Hausarbeit zur Abschlussprüfung Pferdewirt – klassische Reitausbildung. Kursiv geschriebene Texte sind nicht Inhalt der Hausarbeit, sondern lediglich hilfreiche aktuelle Hinweise.

Die Hausarbeit wurde von mir zur Prüfung am 12./ 13. September 1986 geschrieben. Die Bewertung durch die Prüfungskommission floss in die Note des Faches Reitlehre ein: 1,60 (gut).

Thema: Arten, Zweck und richtige Anwendung von Hilfszügeln bei der Ausbildung und Korrektur des Reitpferdes

Einleitung

Die Anwendung von Hilfszügeln in der Ausbildung von Pferd und Reiter ist en zwiespältiges Thema, das von mehreren Gesichtspunkten betrachtet werden muss.

Das Ziel der Ausbildung ist es, das Pferd durch gymnastizierende Arbeit ruhig, gewandt und gehorsam zu machen, damit es angenehm in seinen Bewegungen und bequem für den Reiter wird.

Um dieses Ziel zu erlangen, darf aber nicht jedes Mittel bzw. jeder Hilfszügel recht sein.

Der Weg zum Erfolg, zur absoluten Harmonie zwischen Reiter und Pferd, führt einzig und allein über die Grundlagen der klassischen Reitlehre.

Hält sich der Ausbilder an diese Grundsätze, wird der Gebrauch von Hilfszügeln überflüssig.

Hat ein Pferd allerdings schwerwiegende Gebäude- oder Temperamentsfehler, oder ist es bereits durch falsche Behandlung verdorben worden, können Hilfszügel in der Hand eines Fachmannes eine positive Wirkung erzielen. Dieser wird aber immer bestrebt sein, Hilfszügel nur in Ausnahmefällen anzuwenden und so schnell wie möglich wieder abzusetzen.

Im Gegensatz hierzu steht die breite Masse derjenigen Reiter, die ihre reiterlichen Schwächen durch den Gebrauch von Hilfszügeln zu vertuschen suchen.

Hier führt der Hilfszügel dazu, dass das Pferd nicht mehr als Partner gesehen, sondern zum vergewaltigten und degradierten Sportgerät wird! Der Gebrauch von Hilfszügeln in der Ausbildung des Reitanfängers darf natürlich nicht mit den gleichen Maßstäben bewertet werden.

Auch zum sachgemäßen Longieren ist der Hilfszügel erforderlich und zweckdienlich.

Im Hauptteil unterscheide ich zwischen Hilfszügeln die Hauptsächlich beim Longieren und weiteren, die ihre Anwendung in erster Linie beim Reiten finden.

Hier unter anderen:

Der Schlaufzügel

Der Schlaufzügel ist der umstrittenste Hilfszügel überhaupt, da er sich durch seine flaschenzugartige Konstruktion und Wirkungsweise einer ausgesprochenen Beliebtheit erfreut und aufgrund dessen größten Schaden anrichtet.

Der Schlaufzügel wird von der breiten Masse seiner Verehrer dazu missbraucht, eine bestimmte Kopfhaltung des Pferdes zu erzwingen, was allen Regeln und Prinzipien der Reitlehre widerspricht und deshalb unbedingt abzulehnen ist.

Der Schlaufzügel wird häufig zur unreellen Beschleunigung der Ausbildung verwandt, was über kurz oder lang zu schwerwiegenden Mängeln in der Losgelassenheit, Durchlässigkeit und Versammlung führen muss.

Das Grundprinzip des Reitens, „von hinten nach vorne“, wird außer Acht gelassen 

und damit jegliche Aktivierung der Hinterhand ausgeschlossen!

Infolgedessen leidet die Reinheit des Ganges, sowie die Entwicklung von Schwung und Versammlung, da die Trag- und Federkraft nicht ausgebildet werden kann. Es ist kein Sinn darin zu sehen, dem Pferd Lektionen beibringen zu wollen, wenn man nicht in der Lage ist, es, ohne die Gewaltanwendung des Schlaufzügels an die Hilfen zu stellen.

Der Einsatz des Schlaufzügels sollte nur den wirklichen Könnern im Sattel vorbehalten sein, obwohl einige von ihnen den Gebrauch strikt ablehnen.

„Erfolgreiche Einwirkung mit dem Schlaufzügel setzt Sitz, Einwirkung und reiterlichen Takt eines Meisters voraus!“ (Zitat: Freiherr von Redwitz)

Der fachgerechte Gebrauch des Schlaufzügels ist in Ausnahmefällen zu Zwecken der Korrektur sinnvoll und nützlich.

So kann dem Pferd mit dem geringsten Aufwand der Weg in die Tiefe gezeigt werden. Andererseits erleichtert er die Beibehaltung einer bereits erlernten Haltung beim Lehren schwieriger Lektionen.

Das Abreiten mit Schlaufzügeln bei internationalen Turnieren ist durch die FEI seit kurzem verboten worden.

(Stand 1983, mittlerweile wurde das Reglement mehrfach geändert.)

Dieses Verbot sollte auch auf nationaler Ebene eingeführt werden.

Fazit

Der Gebrauch von Hilfszügeln ist nicht grundsätzlich abzulehnen, doch sollte er stets als Hilfsmittel für Reiter und Pferd gleichermaßen gesehen und nicht zum Machtinstrument pervertiert werden.

Der Berufsreiter trägt in dieser Hinsicht eine besonders große Verantwortung!

Gerade er sollte bestrebt sein, seine Pferde reell auszubilden und seinen Schülern als nachahmenswertes Vorbild zu dienen. Der Reitschüler wird dann den Rat des Fachmannes suchen und nicht unüberlegt zum nächsten besten Hilfszügel greifen.

Meinung heute:

Der Gebrauch und die Anwendung von Schlaufzügeln in der Ausbildung und beim Reiten von Pferden ist deutschlandweit sowohl im Training als auch bei FN sowie FEI-Veranstaltungen zu verbieten.

Begründung A: Könner brauchen ihn nicht. Für alle anderen gilt: Der Schlaufzügel in der Hand eines Nichtkönners, ist wie ein Rasiermesser in der Hand eines Affen.

Begründung B: Mir ist keine Sportart bekannt bei der die Halswirbelsäule in ihrer Funktion eingeschränkt wird. Dies darf auch bei keinem anderen Wirbeltier der Fall sein!

Eine Meinung, die ich schon immer vertreten habe: Pferde, die mit dem Schlaufzügel gleich aus welchem Grund geritten werden, haben auf einer Pferdeleistungsschau nichts verloren! Dann sind Reiter, bzw. Pferd eben noch nicht so weit und es muss zu Hause geübt werden.